Kapitel 4: Der erste Start

Inhalt:
4.1. Falls etwas schiefging
4.2. Einloggen
4.3. Tastatulayout ändern
4.4. Das »man«- Kommando
4.5. Das root- Passwort ändern
4.6. Die Shell wechseln
4.7. Systemzeit
4.8. Basiskonfiguration in /etc/rc.conf
4.9. Einschalten der virtuellen Konsolen
4.10. Neustart des Systems
Seitenende und Ausstieg

Nach der Installation führt der Computer einen Neustart von der Festplatte durch. Wenn alles gut gegangen ist, wirst Du innerhalb weniger Sekunden den Login- Prompt sehen (Das können je nach Hardware allerdings auch Minuten werden). Das System ist natürlich noch nicht konfiguriert, aber sei unbesorgt. Die Konfiguration von NetBSD ist eigentlich sehr einfach und keineswegs unangenehm. Stattdessen verhilft Dir diese manuelle Vorgehensweise zu einer vielleicht noch nie gekannten Flexibilität. Du wirst sehen, wie schnell alles geht; und im Laufe der Zeit wirst Du auch verstehen, wie das System funktioniert. Falls Probleme auftauchen sollten, wirst Du auch wissen, wo Du nach Fehlern suchen musst.

4.1. Falls etwas schiefging

Wenn das System nicht startet, kann es sein, dass der Bootmanager nicht korrekt installiert worden ist oder das es da einen Problem mit dem MBR (Master-Boot-Record) gibt. Starte die Maschine von der Bootdiskette, und wenn Du diese Meldung siehst...:

booting fd0a:netbsd - starting in ...

drücke die Leertaste während des fünf Sekunden dauernden Countdowns. Der Startvorgang wird unterbrochen und ein Prompt angezeigt. Du kannst hier auch eine rudimentäre Hilfe erhalten, wenn Du ein "?" oder "help" eingibst.

type "?" or "help" for help.
> ?
commands are:
boot [xdNx:][filename] [-adrs]
     (ex. "sd0a:netbsd.old -s")
ls [path]
dev xd[N[x]]:
help|?
quit
> boot wd0a:netbsd
    

Das System sollte jetzt statt von der Diskette von der Festplatte booten. Wenn NetBSD sauber von der Platte hochgefahren werden kann, ist das möglicherweise ein MBR- Problem: Du kannst den Bootmanager installieren oder seine Konfiguration mit dem fdisk -B -Kommando ändern.

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4.2. Der erste Login

Das erste Login wirst Du als Superuser root ausführen müssen. Er ist der einzige User, den es am Ende einer neuen Installation gibt. Gib das Passwort ein, das Du während der Installation definiert hast. Wenn Du noch kein Passwort hast, drücke einfach die Eingabetaste.

NetBSD/i386 (Amnesiac) (ttyE0) login: root password ... We recommend creating a non-root account and using su(1) for root access. #

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4.3. Ändern des Tastatulayouts

Die Tastaturbelegung ist immer noch die aus den USA. Wenn Du eine andere Tastatur hast, ist es besser, das Layout zu ändern, bevor Du anfängst, das System zu konfigurieren. Leute, die mit der deutschen Tastatubelegung schreiben, erledigen das so:

# wsconsctl -k -w encoding=de

encoding >desollte das System dann antworten.

Italiener machen das mit:

# wsconsctl -k -w encoding=it

encoding -> it sollte dann die Antwort sein.

Eine vollständige Liste findet sich in /sys/dev/wscons/wsksymdef.h; aber die verbreitetsten sind diese hier:


Diese Einstellung bleibt bis zum nächsten Reboot erhalten. Um das dauerhaft beizubehalten, füge das Kommando an das Ende der Datei /etc/rc.local ein. Beim nächsten Reboot wird die Tastatur automatisch konfiguriert.

# echo "wsconsctl -k -w encoding=it" >> /etc/rc.local

Achtung: Sei vorsichtig und gib wirklich zwei ">" - Zeichen ein. Wenn Du nur ein ">" eingibst, überschreibst Du die gesamte Datei, statt nur diese eine Zeile einzufügen !!!

Es gibt auch noch eine bessere Lösung, für dieses Problem: Du kannst einen neuen Kernel backen, der Deine Tastaturbelegung als Defaultwert verwendet. Wie das geht, steht im Kernel- Kapitel.

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4.4. Das man- Kommando


Wenn Du noch nie ein Unixähnliches Betriebssystem benutzt hast, wird das man- Kommando Dein bester Freund werden. Damit werden die NetBSD- Manualseiten angezeigt, die als die besten und detailliertesten gelten, die es so gibt; sie sind allerdings sehr techniklastig.

man name zeigt die Manpage des name- Kommandos. man -k name zeigt eine Liste mit Manpages, die mit name im Zusammenhang stehen (Du kannst auch das apropos- Kommando nehmen).

Um die Grundlagen zu man zu lernen, gib mal folgendes ein:

# man man

Das Manual ist in neun Sektionen unterteilt, die nicht nur grundsätzliche Informationen zu den Kommandos enthalten, sondern auch die Beschreibungen einiger NetBSD- Features und -Strukturen. Lege mal ein Auge auf die hier(7) -Seite, die das Layout des NetBSD- Dateisystems detailliert beschreibt.

# man hier

Andere, ähnliche Seiten sind release(7) und packages(7). Jede Sektion das Manuals besitzt eine sog. intro- Seite, die mit einem Kommando in dieser Art ausgeführt wird:

# man 8 intro

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4-1. Manual- Sektionen

  1. grundlegende Kommandos, Tools und Utilities

  2. Systemaufrufe und Fehlernummern

  3. C- Bibliotheken

  4. Spezielle Dateien und Hardwareunterstützung

  5. Dateiformate

  6. Spiele

  7. Sonstige Informationen

  8. Systempflege und Bedienungskommandos für root

  9. Internes zum Kernel

Ein Aufruf kann auch in mehr als eine Sektion des Manuals passen. Um eine bestimmte Seite aufzurufen, kannst Du die Nummer der Sektion als Parameter im Kommando verwenden. Beispiel: time findet sich in Sektion 1 (als Benutzerkommando), in Sektion 3 (Die time- Funktion in der C- Bibliothek) und in Sektion 9 (die Systemvaraible). Um die Manpage für die C- Funktion time zu lesen, musst Du also das hier eingeben:

# man 3 time
    
Wenn Du alle vorhandenen Seiten lesen willst, kannst Du das mit:

# man -a time
    
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4.5. Das root- Passwort ändern

Wenn Du während der Installation kein root- Passwort definiert hast (was in den pre-1.5- Systemen unmöglich war), ist es an der Zeit, das mit dem passwd- Kommando zu tun.

# passwd

Changing local password for root.
New password:
Retype new password:
    

Das Passwort wird nicht auf dem Bildschirm angezeigt, während Du tippst. Später wirst Du lernen, wie man andere Benutzerkonten einrichtet.

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4.6. Die Shell wechseln


Die Default- Shell für root ist die csh. Wenn Dir das nichts sagt, solltest Du die Manpage mit man csh durcharbeiten. Sie ist eine gute, interaktive Shell, allerdings besitzt sie keine History- Funktion (Schau Dir mal die tcsh, bash und gerade die /bin/sh für dieses Feature an). Wenn Du die Shell wechseln willst, mach das mit chsh . Die folgenden Shells stehen nach der Installation zur Auswahl:

Die neue Shell wird beim nächsten Login gestartet. Im Moment kannst Du Dich mit diesem Kommando behelfen:

# set filec
    

Damit ist die automatische Vervollständigung von Dateinamen in der Kommandozeile eigeschaltet (mit der ESC- Taste; mit CTRL- D kommt eine Liste mit den möglichen Vervollständigungen).

Du kannst aber auch noch weitere Shells auf dem System installieren, wenn Dir danach ist: tcsh, bash, zsh und einige andere sind in der Package- Kollektion zu finden (was Du vielleicht später ausprobieren solltest).

Das ist eine günstige Zeit, die Initialisierungsdateien für die Shells zu erstellen (.cshrc, .login und die anderen).

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4.7. Systemzeit

NetBSD benutzt, wie alle anderen Unix- Derivate auch eine Systemuhr, die auf der Greenwich- Zeit basiert. Das ist auch der Wert, auf den Du Deine Systemzeit einstellen solltest. Wenn Du, aus welchem Grund auch immer (beispielsweise, wenn Du noch ein Windows auf der Maschine installiert hast), musst Du das NetBSD mitteilen, indem Du die rtc_offset- Systemvariable änderst. Du kannst die Konfigurationsdatei des Kernels ändern und ihn neu kompilieren oder den vorhandenen Kernel direkt patchen (Die neue Zeit steht aber erst nach einem Reboot zur Verfügung). Das ist einfacher als es sich anhört. Hier ist ein Beispiel:

# gdb --write /netbsd
GNU gdb 4.17
Copyright 1998 Free Software Foundation, Inc.
...
This GDB was configured as "i386--netbsd"...(no debugging symbols found)...
(gdb) set rtc_offset=-60
(gdb) quit
    

Der eingegebene Wert (-60) ist die Anzahl der Minuten, die sich Deine Maschine westlich von Greenwich befindet.

Um die derzeitige Einstellung der rtc_offset- Variable anzuzeigen gibst Du das hier ein:

# sysctl kern.rtc_offset
kern.rtc_offset = -60
    

Jetzt weiss der Kernel, wie er die Zeit auf der PC- Uhr übersetzen soll; aber Du musst das System immer noch für Deine lokale Zeit konfigurieren (Du findest sie unter /usr/share/zoneinfo.). Hier ist ein Beispiel für Leute, die in Italien leben, das aber in diesem Sinne auch In Deutschland oder Österreich anwendbar ist. Hier musst Du nur die Stadt an die Hauptstadt Deines Landes anpassen:

# rm -f /etc/localtime
# ln -s /usr/share/zoneinfo/Europe/Rome /etc/localtime
    

Wenn einmal alles richtig aufgesetzt ist, kannst Du die Zeit mit dem folgenden Komando verändern:

# date [[[[[cc]yy]mm]dd]hh]mm
    
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4.8. Basiskonfiguration in der /etc/rc.conf

NetBSD benutzt die /etc/rc.conf für die Systemkonfiguration beim Starten. Diese Datei legt fest, was gemacht wird, wenn das System hochfährt. Diese Datei zu kennen und zu verstehen, ist sehr wichtig!

Ab Version 1.5 von NetBSD wurde die Administration der rc.conf geändert. In früheren Versionen wurden alle Defaultwerte in /etc/rc.conf abgelegt und der User musste diese Datei direkt ändern. Ab Version 1.5 wurde die /etc/defaults/rc.conf- Datei eingeführt, in der die Defaultwerte stehen. Um einen Defaultwert zu ändern, muss der User den neuen Wert in /etc/rc.conf eintragen. Diese Definition wird höher gewichtet als der eingetragene Defaultwert in /etc/defaults/rc.conf, die unverändert bleibt. Zur Wiederholung: Das Verständnis dieser Datei ist wirklich sehr wichtig. In der Manpage gibt es eine genauere Beschreibung all dieser Optionen:

# man rc.conf

Die ersten Modifikationen sind diese hier:


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4.9. Die virtuellen Konsolen einschalten

Die hier beschriebenen Einstellungen werden unter Version 1.5 nicht mehr vorgenommen; ab dort sind sie Standard.

In der Datei /etc/ttys muss geprüft werden, ob ttyE0-ttyE3 eingeschaltet sind. ttyE4 kann für die Benutzung mit X ausgeschaltet bleiben. Beispiel:

console "/usr/libexec/getty Pc"         pc3     off secure
ttyE0   "/usr/libexec/getty Pc"         vt220   on secure
ttyE1   "/usr/libexec/getty Pc"         vt220   on secure
ttyE2   "/usr/libexec/getty Pc"         vt220   on secure
ttyE3   "/usr/libexec/getty Pc"         vt220   on secure
ttyE4   "/usr/libexec/getty Pc"         vt220   off secure
    
Für die Mutigen: Wenn Du /etc/ttys erst einmal geändert hast, kannst Du eine schnelle Aktivierung mit diesen Kommandos ohne Reboot ausführen:
  1. sh /etc/rc.wscons
  2. kill -1 1
Einmal aktiviert, kannst Du mit der CTRL-ALT-Fn -Tastenkombination zwischen den Konsolen umschalten (Fn ist eine Funktionstase: F1 ist Konsole 1; F2 ist Konsole 2; ...).

Anmerkung: Man nehme zu diesem Zweck die Tasten auf der linken Seite der Tastatur.

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4.10. Neustart des Systems

In dieser ersten Sitzung hast Du:


Jetzt ist es Zeit, mit dem folgenden Komando neu zu starten und ein Käffchen zu schlabbern:

# reboot

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